Miniature Bull Terrier - eigensinnig und freundlich

Die vierbeinigen Gladiatoren der Römer.

Mini Bull Terrier Welpe - © stock.adobe.com / Petra Eckerl / #80811633

Die ältesten Vorfahren der heutigen Bullterrier waren große, doggenähnliche Hunde, die bereits von den Assyrern und Persern gezüchtet und zur Jagd auf wehrhaftes Großwild wie Löwen, Bären und Wildschweine eingesetzt wurden. Auch die Griechen und Römer wussten starke Kriegs- und Wachhunde zu schätzen, und es waren vor allem die Doggen aus Epirus, die berühmten Molosser, die so beliebt als Jagd- und Wachhunde waren, dass sie sich zu einem regelrechten Exportschlager entwickelten.

Durch die Feldzüge Alexanders des Großen verbreiteten sich diese Hunde in der ganzen hellenistischen Welt. Die Römer schätzten solche Hunde nicht nur als Wach-, Kriegs- und Jagdhunde, sondern auch als vierbeinige Gladiatoren, die gerne in Venationes (Tierhetzen) gegen exotisches Großwild eingesetzt wurden. Der römische Historiograph Tacius berichtet im XV. Band seiner Annalen, dass Kaiser Nero Christen von wilden Hunden zerfleischen ließ. Tierkämpfe und Tierhetzen blieben auch nach dem Ende des Römischen Weltreichs eine überaus beliebte Volksbelustigung. Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert. In London, aber auch in Wien gab es eigene "Bear Gardens" und "Hetzttheater" Gebäude, die modernen Stierkampfarenen glichen, wo Hunde gegen Stiere, Bären und manchmal sogar Löwen oder Tiger antreten mussten. Man hetzte die Hunde auf Bullen oder Bären und schloss Wetten darüber ab, welcher Hund am längsten aushielt. 1835 wurden aber in England Tierkämpfe gesetzlich verboten. Es hatte aber das Verbot nur wenig Einfluss, und es blieben Tierkämpfe nach wie vor sehr beliebt. Durch das Verbot fanden Hundekämpfe nun illegal statt, und für die relativ kleinen Kampfflächen in improvisierten Arenen wurden kleinere, flinkere Hunde benötigt. Statt gegen Stiere, Bären oder Großkatzen ließ man Hunde gegeneinander oder gegen Dachse und Ratten antreten. 

Miniatur Bull Terrier am Strand an der Leine - © CC0 - Pixabay - I_Love_Bull_Terriers
In den Kohlegruben Mittel- und Nordenglands war die Arbeit überaus hart, entbehrungsreich und gefährlich. Die Arbeiter brachten kleine wendige Terrier mit in die Kohlegruben, um sie gegen die Rattenplage einzusetzen. Bald schon kam es zu Wettbewerben, bei denen die Leistungsfähigkeit der einzelnen Hunde verglichen wurden und bei denen auch Wetten abgeschlossen wurden. Arbeiter, die über leistungsstarke Hunde verfügten, konnten durch erfolgreiche Hundekämpfe Ansehen und ein beachtliches Zubrot verdienen. 
Bull Terrier - © CC0 - Pixabay  I_Love_Bull_Terriers
Viele Autoren sehen in James Hinks den "Vater" des modernen Bullterriers. Hinks war ein erfolgreicher Tierzüchter aus Birmingham, der etwa um 1850 mit der Zucht eines geeigneten Typs für Hundekämpfe und das beliebte "Badger-Baiting" begann. Beim Badger-baiting wurde ein lebender Dachs in eine hölzerne Röhre gesetzt. Dann ließ man Hunde auf den Dachs los, die sich verbissen. Hatte sich ein Hund im Dachs festgebissen, zog sein Halter Hund und Dachs aus der Röhre heraus. Der Hund wurde von seiner Beute getrennt und der Dachs wieder in die Röhre zurückgesetzt, um einen neuen Hund auf ihn zu hetzten. Beim Rattenkillen ließ man Hunde auf Ratten los, und stoppte die Zeit, die ein Hund brauchte, um eine bestimmte Menge Ratten zu töten. 
Miniatur Bull Terrier - © CC0 - Pixabay - Miniatur Bull Terrier
Die Tradition des "badger-baiting" ging auf Volksbelustigungen zurück, die seit dem Mittelalter beliebt waren. 
James Hinks ließ in seine Zuchten White English Terrier, eine heute ausgestorbene Art, Dalmatiner und nach einigen Quellen auch Greyhounds und russische Windhunde einkreuzen. 1862 schickte er die Hündin "Puss" erstmals auf eine Ausstellung, wo das Tier wegen seiner langen Schnauze Aufsehen erregte, aber auch auf Vorbehalte stieß. Als Hinks erste Bullterrierhündin dann aber einen Kontrahenten vom Staffordshire-Typs nach langem Kampf besiegte, setzte sich Hinks neuer Schlag bald durch und wurde immer häufiger bei Ausstellungen eingesetzt. Auch in Deutschland erfreuten sich Bullterrier einer wachsenden Beliebtheit.
Bull Terrier - © CC0 - Pixabay - I_Love_Bull_Terriers
Ein Züchter schrieb 1908: "Der Bullterrier ist ein englischer Hund, der auch in Deutschland und Österreich gerne gezüchtet wird, da er viele gute Eigenschaften wie Anhänglichkeit, Gehorsam 
und Intelligenz in sich vereint, denen nur ein einziger Fehler gegenübersteht: seine Rauflust, die ihm den Beinamen "Gladiator" eingebracht hat. Seine Größe ist schwankend, das Haar kurz und drahtartig und die Farbe weiß." 
Nach dem 1. Weltkrieg gründete ein Polizeibeamter namens Miethke den ersten Bullterrier Club in Deutschland. Bis 1928 wurden von 20 Züchtern 400 Bullterrier vorgestellt. Viele von ihnen wurden als Polizeihunde ausgebildet, und Miethke stellte fest, dass der Bullterrier zwar eigenwillig in der Ausbildung sei, ausgebildet aber leicht zu führen, intelligent und gehorsam sei. Neben der Arbeit als Polizeihunde wurden Bullterrier auch als Wach- und Jagdhunde eingesetzt.
Bull Terrier - © CC0 - Pixabay - I_Love_Bull_Terriers
Die Rasse wurde auf Leistung gezüchtet, es existierten aber zunächst keine Rassestandards für Miniature Bullterrier. Erste Exemplare wurden zwar schon um 1900 zu Ausstellungen gemeldet. Die Rasse fand zwar Beachtung, konnte sich aber anfangs nicht recht durchsetzen. Erst nach der Gründung des Miniature Bullterriers durch den Briten Colonel Glyn 1938 gewann die Rasse eine größere Anhängerschaft. Die Widerristhöhe soll 35 cm nicht übersteigen. Seit den 1970er Jahren erfreuten sich Bullterrier wachsender Beliebtheit, in Großbritannien gehört der Miniature Bullterrier heurte allerdings zu den vom Aussterben bedrohten Hunderassen. 
miniature_bullterrier - © CC0  - Pixabay - I_Love_Bull_Terriers

Haltung eines Miniature Bull Terrier

Der Miniature Bullterrier hat ein gutmütiges Wesen und eine sehr hohe Reizschwelle. Sein Charakter wird als eigensinnig aber freundlich und ausgeglichen beschrieben. Nach den üblichen Zuchtstandards anerkannter Vereinigungen werden aggressive Hunde nicht zur Zucht zugelassen. In einigen Bundesländern und Kantonen sind aber auch Miniature Bullterrier sogenannte "Listenhunde". 
Das bedeutet, dass der Halter den Hund einem Wesenstest unterziehen muss, um nachzuweisen, dass der Hund nicht aggressiv ist. Miniature Bullterrier eignen sich daher eher für Hundehalter, die über Vorkenntnisse in der Hundehaltung verfügen. Ansonsten ist die Rasse recht unproblematisch und kann sowohl in einer Stadtwohnung wie auf dem Lande gehalten werden. Bei entsprechender Sozialisation können Miniature Bullterrier gut mit anderen Tieren gehalten werden. 

Typische Krankheiten des Mini Bull Terriers

Das Tierschutzgesetz von 1998 verbietet Qualzuchten, und die meisten Zuchtverbände haben bereits davor auf die Häufung von bestimmten Beschwerden bei Hunden reagiert, die auf übertriebene Zucht zurückgehen. beim Bullterrier zeigte sich, dass die bevorzugte weiße Färbung gelegentlich zu Innenohrtaubheit, Blaufärbung der Iris und des Nasenschwamms führte. Beim Miniature Bullterrier kommt häufiger eine primäre Linsenluxation und Keratekonjunktivis sicca (trockenes Auge) vor. Dabei führt eine reduzierte Tränenbildung zu Bindehautentzündung beim Hund, die im schlimmsten Fall chronisch verlaufen kann. Diese KKS kann konservativ oder chirurgisch behandelt werden.